Bernhardsberg-Alltag

Der entscheidende Schritt in Armins Leben

Als Armin auf den Bernhardsberg kam, war er 22 Jahre alt. Sein Leben verlief bisher chaotisch, ohne Ziel und ohne Struktur. Er hatte bereits verschiedene Arbeitsprogramme absolviert. Ohne Erfolg. Armin zog sich immer mehr zurück. Sein bester und oft einziger Freund war der Alkohol.

Den entscheidenden Ansporn gab ihm sein RAV-Berater: «Wenn du vorwärtskommen willst, musst du dein Leben ändern», sagte er und empfahl ihm das Wohn- und Arbeitszentrum. Armin kam mit gemischten Gefühlen auf den Bernhardsberg. Noch steckten die misslungenen Versuche von früher in seinen Knochen. 

Dranbleiben trotz Rückschlägen

Auf dem Bernhardsberg hatte Armin eine grosse Auswahl an Arbeitsmöglichkeiten. Da war die Arbeit im landwirtschaftlichen Bereich, im Büro, in der Küche oder im Verkauf. Es gefiel ihm, dass er verschiedene Dinge ausprobieren konnte. Er musste keine Erwartungen erfüllen, sondern konnte langsam beginnen: «Man durfte kleine Schritte machen.» Im Zentrum stand das Dranbleiben trotz Rückschlägen. Die Betreuungspersonen ermutigten Armin, sich nicht hängen zu lassen und das Durchhaltevermögen ständig zu trainieren.

Der Tag beginnt auf dem Bernhardsberg mit dem gemeinsamen Frühstück um 8:00. Dann geht jeder seiner Arbeit nach. Um 18:30 Uhr gibt es ein gemeinsames Abendessen. Ab 22:00 ist Nachtruhe, alle sollten auf ihrem Zimmer sein. Jeweils am Montag ist Gruppenabend. Dann werden Ämtli verteilt oder Probleme in der Gruppe besprochen.

Der Rausschmiss stand bevor

Ist so ein straffer Tagesablauf nicht lästig für einen erwachsenen Menschen? «Ja, trotz all dem Wohlwollen, das ich erfahren habe, die Zeit war auch hart», gibt Armin zu bedenken. Fast hätte er es auch dieses Mal nicht geschafft. Tatsächlich stand er kurz vor dem Rausschmiss. Das Kündigungsschreiben lag schon auf dem Tisch. Aber da regte sich Widerstand in Armin. «Ich wollte es nicht auf mir sitzen lassen, dass ich es schon wieder nicht schaffe.» Armin ging in die Klinik, um vom Alkohol loszukommen, und kehrte zurück auf den Bernhardsberg. «Ich wollte beweisen, dass ich es kann.» Die Einsicht, dass er für sein Leben Verantwortung tragen muss, half ihm, den inneren Schweinehund zu überwinden. 

Schulabschluss und Lehre

Er holte seinen Schulabschluss nach und begann eine Ausbildung zum Fachmann Betreuung. Seine eigene Geschichte sieht er dabei als Vorteil: «Wenn jemand an den Punkt kommt, wo es scheint, dass das Leben nicht mehr weiter geht, möchte ich aufzeigen: doch, es geht weiter.» 

Die Zeit auf dem Bernhardsberg wurde für Armin zu prägenden Jahren: «Ich bin dankbar dafür, dass die Betreuer auch in schwierigen Momenten zu mir standen und immer an mich geglaubt haben.»